Kennzahlen verstehen
ExperteDas Forensik-Trio: Piotroski-, Altman- und Beneish-Score
Inhaltsverzeichnis
Drei unterschiedliche Fragen
Der Piotroski F-Score (Joseph Piotroski, 2000) prüft anhand von neun einzelnen Kriterien aus drei Gruppen - Profitabilität, Verschuldung/Liquidität und operative Effizienz -, ob sich die fundamentale Finanzlage eines Unternehmens gegenüber dem Vorjahr verbessert hat. Jedes erfüllte Kriterium (z. B. gestiegene Kapitalrendite, gesunkener Verschuldungsgrad, verbesserte Bruttomarge) zählt einen Punkt, maximal 9.
Der Altman Z-Score (Edward Altman, 1968) verfolgt ein anderes Ziel: Er schätzt anhand von fünf gewichteten Bilanzkennzahlen (u. a. Liquidität, Gewinnrücklagen, operative Ertragskraft sowie Marktkapitalisierung im Verhältnis zu den Verbindlichkeiten) das statistische Insolvenzrisiko ein. Ein Wert über 2,99 gilt als „sichere Zone“, zwischen 1,81 und 2,99 als Grauzone, darunter als Distress-Zone.
Der Beneish M-Score (Messod Beneish, 1999) verfolgt eine dritte, wieder andere Frage: Er kombiniert acht Kennzahlen-Veränderungen gegenüber dem Vorjahr (u. a. Entwicklung von Forderungen, Bruttomarge und Bilanzsumme) zu einem statistischen Indikator für die Wahrscheinlichkeit von Gewinnmanipulation. Ein M-Score über -1,78 gilt in Beneishs Modell als auffälliger Bereich.
Warum alle drei zusammen betrachtet werden
Die drei Scores sind bewusst keine redundanten Varianten derselben Aussage, sondern beantworten unabhängige Fragen: Piotroski beschreibt die Verbesserungsrichtung der operativen Stärke, Altman das Insolvenzrisiko, Beneish die Manipulationswahrscheinlichkeit. Ein Unternehmen kann bei einem Score unauffällig und bei einem anderen auffällig sein - das ist kein Widerspruch, sondern zeigt, dass die drei Modelle unterschiedliche Risiken abdecken.
Was ein auffälliger Wert bedeutet - und was nicht
Alle drei Modelle sind statistische Schätzungen aus akademischen Studien vergangener Jahrzehnte, keine Tatsachenfeststellungen über ein konkretes Unternehmen. Ein auffälliger Altman- oder Beneish-Wert bedeutet eine erhöhte statistische Wahrscheinlichkeit nach dem jeweiligen Modell, nicht den Beweis einer bevorstehenden Insolvenz oder tatsächlicher Bilanzmanipulation - beide Modelle produzieren in der Praxis auch falsch-positive Signale. Ein auffälliger Wert ist deshalb ein Anlass für genaueres Hinschauen (z. B. in den Geschäftsbericht oder die Bilanzierungsmethoden), keine automatische Warnung vor einer konkreten Aktie.
Erikonomie stellt ausschließlich allgemeine, automatisiert berechnete Informationen zu öffentlich verfügbaren Finanzkennzahlen bereit. Dies ist keine Anlageberatung, keine Anlagevermittlung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Alle Angaben ohne Gewähr. Investitionsentscheidungen triffst du eigenverantwortlich.